Knapp, kostbar, oft unterschätzt – Klimaausschuss beschäftigt sich mit Wasserversorgung

Stuttgart, 22.03.2024 – Alles fließt, wenn man den Wasserhahn öffnet. Was eine Selbstverständlichkeit im Alltag ist, soll auch so bleiben. Dafür sind zahlreiche Vorkehrungen zu treffen, um die Ver- und Entsorgung mit Wasser zu sichern. Der Ausschuss für Klima und Umwelt hat sich daher am „Internationalen Tag des Wassers“ mit der Vision 2100 befasst. Im Kern des Stuttgarter Zukunftsprogramms stehen langfristige Ziele für die Wasserwirtschaft sowie eine Agenda 2030 mit Maßnahmen in den verschiedenen Handlungsfeldern. Hierbei kooperiert die Stadt mit Netze BW, Bodensee-Wasserversorgung und der Landeswasserversorgung.

Der Technische Bürgermeister Dirk Thürnau sagte: „Besonders in den trockenen und immer heißer werdenden Sommermonaten spielt der Wasserhaushalt in der Stadt eine entscheidende Rolle. Der Bedarf an frischem Trinkwasser steigt ebenfalls. Immer mehr Menschen werden sich der Aufgaben in der Wasserwirtschaft und der Notwendigkeit einer sicheren Trinkwasserversorgung bewusst.“ Und weiter: „Weil sich die Anforderungen aus Gesellschaft, Landwirtschaft, Klima und Umwelt ändern, braucht es eine Transformation der Wasserwirtschaft. Diese Transformation wird alle vom Menschen beeinflussten Teilsysteme des Wasserkreislaufs betreffen, wie zum Beispiel Einzugsgebiete, Versorgungssysteme und Entnahme, Aufbereitung und Verteilung, Oberflächen- und Grundwassersysteme, Hochwasserschutz, Flussgebietsmanagement, Siedlungsentwässerung und Abwasserbehandlung.“

Trinkwasser

Trotz seines hohen Stellenwerts als Natur- und Kulturgut steht es selten im öffentlichen Fokus. Dabei ist Wasser für jeden von großer Bedeutung. Schon morgens beim Duschen, Zähneputzen, Kaffee trinken möchte keiner auf das Nass verzichten. 125 Liter Wasser verbraucht jeder und jede Deutsche täglich zum Kochen, Putzen, Wäsche waschen, für die Toilettenspülung und, zum kleinsten Teil, auch zum Trinken. Dabei wird, was in Stuttgarter Haushalten aus dem Hahn fließt, zu fast 100 Prozent mit Landeswasser aus dem Donauried und Bodenseewasser gespeist.

Christoph Jeromin, Technischer Geschäftsführer der Bodensee-Wasserversorgung und Vizepräsident Wasser beim DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V.), betont: „Die Wasserversorgung in Deutschland muss langfristig gesichert werden. Die spürbaren Veränderungen des Klimawandels erfordern über bewährte Strategien hinausgehende Handlungen. Vorausschauend ist, dass jetzt in Baden-Württemberg und weiteren Regionen unter dem Schirm des DVGW praxisnahe Schutzkonzepte im Rahmen von Roadmap Case Studies entwickelt wurden. Sie setzen inhaltlich an den örtlichen Herausforderungen an und eignen sich methodisch sehr gut als Blaupause auch für andere Versorgungsunternehmen.“

Brunnen, Seen, Flüsse

Gleichermaßen wertvoll für das Stadtklima sind die vielen Gewässer und Brunnen. Das Tiefbauamt ist für den Unterhalt von 16 Seen, 55 Hochwasserrückhaltebecken und 70 Bächen und Flüssen mit insgesamt 150 Kilometer Länge zuständig. Zudem betreibt das Tiefbauamt rund 200 öffentliche Brunnen, darunter 13 Mineralwasserbrunnen und 108 Trinkwasserbrunnen. Weitere Trinkwasserbrunnen sind geplant.

Abwasser

Ein 1700 Kilometer langes Kanalnetz und die vier Klärwerke der Stadtentwässerung Stuttgart (SES) sorgen dafür, dass verschmutztes Abwasser gereinigt wird. Zirka 80 Millionen Kubikmeter werden jährlich durch die Klärwerke gespült und dem natürlichen Wasserkreislauf zurückgegeben. Die SES leistet damit einen erheblichen Beitrag, dass Gewässer sauber gehalten werden und auch in trockenen Sommermonaten ausreichend Wasser in Flüssen und Bächen fließt. Zur Reinigung von Leitungen und Becken verfügen die Stuttgarter Klärwerke über ein Betriebswassernetz, sodass kein Trinkwasser verschwendet wird. Kanalspülwägen arbeiten mit Wasserrückgewinnung.

Verbesserte Reinigung

Bis 2028 wird das Hauptklärwerk Mühlhausen um die „vierte Reinigungsstufe“ erweitert. Mit Hilfe von Aktivkohle werden dem Wasser Rückstände von Arzneimitteln, Pflanzenschutz-, Röntgenkontrast- und Korrosionsschutzmitteln oder Weichmacher entnommen. Allerdings: Was gar nicht in das Abwasser gelangt, egal ob über die Toilette, Dusche oder Waschbecken, muss anschließend auch nicht wieder entfernt werden. Darum kann jeder Einzelne einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz leisten.

Resiliente Stadt/Schwammstadt

Stuttgart wird von den Auswirkungen des Klimawandels stark betroffen sein, mit komplexen Auswirkungen auf den Wasserkreislauf: Mit zunehmendem Starkregen steigt auch die Gefahr von Überflutungen. Gleichzeitig führen Hitze- und Trockenperioden dazu, dass weniger Wasser verfügbar ist und gleichzeitig mehr davon benötigt wird. Das Klimawandel-Anpassungskonzept KLIMAKS bündelt die bisherigen Aktivitäten der Stadt Stuttgart und anderer Beteiligter, wie zum Beispiel der Zweckverbände Bodensee-Wasserversorgung und Landeswasserversorgung. Das Konzept aus dem Jahr 2012 wird derzeit aktualisiert. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der sogenannten Schwammstadt. Begrünte Flächen halten Regenwasser vorübergehend zurück und verhindern Überschwemmungen. Dies beinhaltet auch das Thema nachhaltige Bewässerung: Es sollen alternative Ressourcen erschlossen und neue Speichermethoden erprobt werden. An Stellen, an denen keine Begrünung möglich ist, kann gezielte Verdunstung von Regenwasser das Stadtklima lokal abkühlen.

Ihre Ansprechpartnerin bei der Bodensee-Wasserversorgung:
Sarah Kreidler, Pressesprecherin
Telefon +49 711 973-2204
E-Mail: UK@bodensee-wasserversorgung.de

 

Weitere Informationen über die Bodensee-Wasserversorgung

Am 25. Oktober 1954 gründeten 13 Städte und Gemeinden den Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung, um den ständig steigenden Trinkwasserbedarf mit Zusatzwasser aus dem Bodensee zu decken. Heute versorgt die Bodensee-Wasserversorgung über ihre 183 Mitglieder insgesamt 320 Städte und Gemeinden mit etwa vier Millionen Einwohnern jederzeit und in ausreichender Menge mit bestem Trinkwasser aus dem Bodensee.

Das Wasser wird aus dem Überlinger See in etwa 60 Meter Tiefe dem Bodensee entnommen und mit sechs großen Pumpen bis in die circa 310 Meter höher gelegene Aufbereitungsanlage auf dem Sipplinger Berg gefördert. Dort wird das ohnehin schon gute Bodenseewasser mit Mikrosieb-, Ozon- und Filteranlagen zu einem Trinkwasser sehr hoher Qualität aufbereitet.

Die Kapazität der Förder- und Aufbereitungsanlagen beläuft sich auf etwa 9.000 Liter in der Sekunde; an einem Tag dürfen maximal 670.000 Kubikmeter Wasser dem Bodensee entnommen werden. Rund 1.700 Kilometer meist großkalibriger Rohrleitungen leiten das Trinkwasser bis in den äußersten Norden des Landes.

Heute gibt die Bodensee-Wasserversorgung an ihre Verbandsmitglieder etwa 130 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr ab. Mit dieser Aufgabenstellung ist sie der größte Wasserversorgungszweckverband in Deutschland.