MENSCHEN UND STORIES: NEUIGKEITEN VON DER ZUKUNFTSQUELLE

Sipplingen, 02.08.2022 - Jonathan Schmidt ist geologischer Teilprojektleiter im Projekt Zukunftsquelle. In dieser Funktion verantwortet er die see- und landseitigen Bohrungen (mehr Informationen finden Sie hier).

Der 34-Jährige studierte Bauingenieurwesen sowie Wasserwirtschaft und verfügt über fundierte Erfahrung in der Leitung von Großprojekten. Diese sammelte er u. a. bei der Planung des neuen ICE-Bahnhofs am Flughafen Stuttgart im Rahmen des Projekts Stuttgart 21.

Bei der Bodensee-Wasserversorgung schätzt er an seiner Arbeit im Großprojekt Zukunftsquelle besonders, „an zentraler Stelle die Fäden zusammenzuführen und dabei stets das Große und Ganze im Blick zu behalten“. Besondere Motivation gibt ihm, dass er an der Sicherstellung der Wasserversorgung für die nächsten 80 Jahre von vier Millionen Menschen in ganz Baden-Württemberg arbeitet: „Im wahrsten Sinne des Wortes eine Zukunftsquelle.“

Herr Schmidt, wo werden Bohrungen für das Projekt Zukunftsquelle durchgeführt und bis in welche Tiefen?

„Die Bohrungen finden überall dort statt, wo die späteren Bauwerke und Leitungen errichtet werden. Das heißt, dass wir verteilt über das ganze Projektgebiet im See, auf Wiesen, im Wald oder in Obstwiesen bohren.

Der Hauptteil der Bohrungen entfällt dabei auf die Standorte der neuen Wasserwerke im Pfaffental (westlich von Sipplingen) und in der Süßenmühle (östlich von Sipplingen, wo sich der bisherige Entnahmestandort befindet). Die Bohrungen werden bis mehrere Meter unter die Bodenplatte der späteren Bauwerke abgeteuft*. Auf der geplanten Tunneltrasse bedeutet das, dass die tiefste Bohrung tatsächlich 140 Meter unter Geländeoberfläche abgeteuft wurde. Im Wasser wurde die tiefste Bohrung bis 60 Meter unter Seegrund abgeteuft. Da die Wassertiefe an dieser Stelle allerdings auch 70 Meter beträgt, wurde die Bohrung somit 130 Meter unter dem Ponton abgeteuft.“

*Abteufen bedeutet, durch ein Bohrloch oder einen Schacht in die Tiefe (bergmännisch „Teufe“) zu gelangen.

Müssen besondere Vorschriften eingehalten werden, da es sich beim Pfaffental um ein geschütztes Gebiet handelt?

„Alle Bohrungen mussten vor der Ausführung durch das Landratsamt genehmigt werden. Dabei wurden auch zahlreiche umweltfachliche Prüfungen durchgeführt. Zum Beispiel wurde geprüft, inwiefern in der Umgebung der Bohrungen Vogelnester von geschützten Arten oder Habitate von Eidechsen oder Haselmäusen zu finden sind.

Viele Eingriffe lassen sich schon dadurch vermeiden, dass man die Lage der Bohrungen etwas verschiebt oder die Bohrung erst bei wärmeren Temperaturen durchführt, da beispielsweise die Eidechsen dann wieder mobil sind oder Mäuse keinen Winterschlaf mehr halten. Da sich Eingriffe in die Natur nicht zu 100 Prozent vermeiden ließen, wurden diese durch Ausgleichsmaßnahmen an anderer Stelle kompensiert.“

Sind die Bohrungen auf dem Seegrund auch für einen Experten wie Sie etwas Besonderes gewesen?

„Das ist in der Tat nichts Alltägliches. Die Bohrungen in 70 Metern Wassertiefe stellten alle Beteiligten vor Herausforderungen. Bei der Planung der Bohrungen wurden unterschiedliche Bohrverfahren geprüft, sogar der Einsatz einer Art Bohrroboter am Seegrund. Auch die beauftragte Bohrfirma musste erstmal einen größeren Ponton bauen und hatte Schwierigkeiten, überhaupt einen Ort zu finden, an dem die ganzen Gerätschaften ins Wasser gehoben werden konnten. Zum Glück hat hier die Stadt Bodman-Ludwigshafen unkompliziert ausgeholfen.“

Wo und wie werden die entnommenen Bohrkerne untersucht?

„Die entnommenen Bohrkerne werden in speziell dafür ausgestatteten Laboren auf ihre Zusammensetzung oder Festigkeit untersucht. Die dabei angewandten Versuche sind zum Teil sehr aufwändig und können mehrere Wochen dauern – je nachdem, was man über die Kerne in Erfahrung bringen möchte. Tatsächlich kann man auch am Bohrloch einige Versuche durchführen, indem man dieses mit unterschiedlichen Messgeräten oder einer Kamera befährt.“

Welche Erkenntnisse liefern die Bohrungen und wofür benötigt man diese?

„Die Baugrunderkundungen liefern wichtige Erkenntnisse zur Zusammensetzung und Beschaffenheit des Baugrundes. So können wir die geplanten Bauwerke für die neuen Seewasserwerke optimal auf den Baugrund auslegen, zum Beispiel, um die Fundamente oder Baugruben richtig und wirtschaftlich zu dimensionieren.“

Die durch die Erkundungsbohrungen gewonnenen Daten fließen dann in die Arbeit anderer Teilprojektleiter ein, über die Sie an dieser Stelle bald mehr lesen können.

Sipplingen, 02.08.2022 - Seit Frühjahr 2022 sieht man rund um Sipplingen schweres Bohrgerät. Hier finden derzeit verschiedene Bohrungen statt, die den Untergrund an Land und den Seegrund auf deren Tragfähigkeit testen.

Tausende von Bohrmetern

“Insgesamt werden 118 Bohrungen durchgeführt – mit einer Gesamtlänge von weit über 4.000 Metern”, berichtet Jonathan Schmidt, verantwortlicher Teilprojektleiter der Bodensee-Wasserversorgung. Dabei kommen verschiedene Gerätschaften zum Einsatz, die aus dem Boden Bohrkerne gewinnen, welche dann in Laboren weiter untersucht werden. So wird etwa getestet, bei wie viel Druck der Boden reißt und wie sich der Grund verhält, wenn er permanent Wasser ausgesetzt wird. „Das gibt uns wichtige Aufschlüsse darüber, wo und mit welchem Aufwand Gebäude und neue Entnahmetürme geplant und gebaut werden können“, so Schmidt.

Manche Bohrstellen werden auch zu Grundwassermessstellen ausgebaut. Wie schnell das Grundwasser fließt, ist wichtig für die Planung der Baustelle und den Bau künftiger Gebäude.

Bohren, Rammen, Messen

Es werden auch Versuche direkt vor Ort gemacht: Mit einer Sonde, die man in ein Bohrloch hinablässt und immer weiter aufspreizt, kann man etwa testen, wann sich der Boden verformt.

Warum man in der Umgebung der Bohrungen teilweise ein lautes Klopfen wahrnimmt, erklärt Dr. Judith Festl vom Team der geotechnischen Sachverständigen: „Das hammerartige Geräusch kommt von den Rammsondierungen im Bohrloch. Dabei wird eine Sonde mit ca. 63 Kilogramm Gewicht in den Boden getrieben. Wir zählen, wie viele Schläge es braucht, um jeweils 15 Zentimeter tief zu dringen.“ Daraus können die Fachleute dann die sogenannte Lagerungsdichte der Lockergesteine ermitteln. Dieses Wissen wird später etwa für den Baustraßenbau benötigt.

Komplexes und aufwendiges Bohrprogramm

Die Bohrungen rund um die Zukunftsquelle sind besonders spannend, weil sie in einem geologisch komplexen und herausfordernden Gebiet stattfinden: So gibt es etwa Steilhänge, an denen schräg gebohrt werden muss. Auch die Bohrungen im Seegrund sind anspruchsvoll und geben einmalige Einsicht in den Aufbau des Bodens unterhalb von 70 Metern Wassertiefe.

Die Bohrerkundungen sind für die weiteren Planungen unverzichtbar: Daher dürfen keine größeren Verzögerungen entstehen. Die Vielzahl der Bohrungen, die gleichzeitig durchgeführt werden müssen, erfordern eine hohe Anzahl an Bohrern und Equipment. Um die entnommenen Proben untersuchen zu können, müssen außerdem Labore mit ausreichenden Kapazitäten vorhanden sein – bei hunderten von Bohrkernen keine leichte Aufgabe. Daher arbeiten gleich mehrere private und universitäre Labore an der Auswertung der Proben. Mit der Qualität der Bohrkerne ist das Team der geotechnischen Sachverständigen bislang zufrieden und zuversichtlich, alle Bohrungen bis zum Spätsommer abschließen zu können.

Bohrarbeiten schreiten gut voran

Intensiv gebohrt wird dazu am neuen Standort im Pfaffental. Ebenfalls werden noch Bodenproben auf der Strecke entnommen, wo ein Tunnel das künftige Seewasserwerk im Pfaffental mit den Anlagen oben auf dem Sipplinger Berg verbinden soll. Auch im Seepumpwerk Süßenmühle finden derzeit auf dem Gelände der Bodensee-Wasserversorgung Untersuchungen zur Bodenbeschaffenheit statt sowie in geringerer Zahl auf dem Sipplinger Berg selbst.

Vorzeitig abgeschlossen sind dagegen die Bohrungen auf dem Seegrund sowohl im Pfaffental als auch in Süßenmühle – trotz zeitlicher Verzögerung durch ein im Unwetter gesunkenes Schubboot. Hier haben die Bohrexperten teilweise in bis zu 70 Metern Wassertiefe in den Grund des Bodensees gebohrt, denn auch hier soll später gebaut werden: nämlich die Entnahmetürme, durch die später das Wasser in die Anlagen am Seeufer fließt. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.


 

 

In der Nacht auf vergangenen Freitag, den 24.6.2022, ist bei einem nächtlichen Unwetter mit Starkwinden auf dem Bodensee ein Schubboot der Firma, die gerade mit den Bohrarbeiten für die Bodensee-Wasserversorgung im See beauftragt ist, gesunken. Das Schiff mit ca. 120 Litern Diesel an Bord gehörte zu der Bohrplattform, die zu Probebohrungen im Rahmen des Projekts Zukunftsquelle dient. Die Plattform drehte sich bei starkem Wind um 180 Grad, das Boot löste sich und kenterte. Während des Unglücks waren keine Menschen auf der Plattform und dem Schiff. Daher kamen bei dem Unglück auch keine Personen zu Schaden. Eine Gefahr für die Trinkwasserversorgung bestand zu keinem Zeitpunkt.

Der Vorfall hat einen großen Polizei- und Feuerwehreinsatz vor Ort ausgelöst. Die Bundesstraße 31 war teilweise gesperrt. Die Plattform konnte dank guter Zusammenarbeit der Feuerwehren, der Öl- und Schadenswehr Bodensee und der Wasserschutzpolizei Überlingen in den Hafen in Bodman gebracht werden. Das gesunkene Boot soll Ende der Kalenderwoche 26 durch ein spezialisiertes Tauchunternehmen in 60 bis 70 Metern Tiefe geborgen werden. Da das Schiffswrack permanent geringe Mengen Kraftstoff verliert, wurde von der Feuerwehr an der Wasseroberfläche eine Ölsperre errichtet. Mithilfe dieser Vorrichtung wird die Ausbreitung des Ölfilms verhindert. Führerinnen und Führer von Sportbooten werden daher gebeten im Bereich der Trinkwasserentnahmestelle Sipplingen mit reduzierter Geschwindigkeit zu verkehren, um die behördlichen Sicherungsmaßnahmen nicht zu beeinträchtigen.

Wie es zu der Havarie kommen konnte, und ob die Bohrplattform weiter eingesetzt werden kann, müssen nun die zuständigen Fachleute entscheiden. Die Untersuchungen laufen.

Update 08.07.2022: Von kommendem Dienstag (12.7.) an wird die Plattform wieder im Einsatz sein, um die letzten beiden verbleibenden Bohrungen in zwanzig Metern Tiefe unter dem Seegrund im Bereich Süßenmühle durchzuführen und die Bohrerkundungen so erfolgreich zum Abschluss zu bringen. Die Bohrarbeiten im See sollten dann nach ca. zehn Tagen (bis 22.7.) abgeschlossen sein. Als Schubboot wird wohl ein Schubboot der Bodenseetaucher dienen, da das geborgene Schubboot noch nicht wieder einsatzfähig ist. 

Update 18.07.2022: Die Bohrarbeiten wurden am Freitag, den 15.07.2022, erfolgreich abgeschlossen.

Wegen Erkundungsbohrungen für das Projekt "Zukunftsquelle. Wasser für Generationen" der Bodensee-Wasserversorgung ist der im Bild markierte Abschnitt des Blütenwegs vorübergehend gesperrt. Bitte benutzen Sie die (auch vor Ort) ausgeschilderte Umleitung.
Die Beendigung der Arbeiten und damit die Wiederfreigabe des Blütenwanderwegs erfolgt am Montag, 11.07.2022 
Wir kündigen zugleich an, dass eine weitere Sperrung des genannten Abschnitts wegen zusätzlicher Bohrarbeiten voraussichtlich August oder September 2022 erfolgen muss. Dazu werden wir separat informieren.
Vielen Dank für Ihr Verständnis!

Sipplingen, 02.03.2022 – Ab Mitte März sind für das Projekt „Zukunftsquelle. Wasser für Generationen“ der Bodensee-Wasserversorgung land- und seeseitig geotechnische Erkundungsbohrungen geplant. Die Bohrarbeiten reichen bis in den Sommer.

Die Bodensee-Wasserversorgung untersucht ab März an insgesamt circa 100 Bohrpunkten den Baugrund für die geplanten neuen Seewasserwerke im Pfaffental und am bestehenden Standort Süßenmühle sowie für die Tunneltrasse, die später die Druckleitung vom Standort Pfaffental auf den Sipplinger Berg aufnehmen soll, und die erdverlegten Stromleitungen. Weiterhin werden auch 18 Bohrungen im Bodensee selbst vorgenommen.

Im Zuge dieser Tätigkeiten fallen Vermessungsarbeiten, Drohnenbefliegungen, temporäre Bohruntersuchungen und die dauerhafte Errichtung von Messtellen an. Die Arbeiten werden von den zuständigen Aufsichtsbehörden geprüft und genehmigt, sie dauern voraussichtlich bis in den Spätsommer an. Alle betroffenen Grundeigentümer sind vorab informiert worden.

Für die Bohrarbeiten am Seegrund wird das beauftragte Unternehmen Mitte März eine schwimmende Plattform auf Höhe Pfaffental bzw. Süßenmühle in den See verlegen. Um diesen Ponton wird die Wasserfläche in Abstimmung mit dem Schifffahrtsamt des Landratsamts Bodenseekreis mit einer temporären Schutzzone gesperrt. Warn-Bojen und Beleuchtung markieren die Anker bzw. Eckpunkte der Schutzzone. Ziel ist es, die weit im See liegenden Bohrungen zuerst durchzuführen und die Untersuchungen im vielbefahrenen Seebereich möglichst schnell abzuschließen, um die kommende Saison für Segler und andere Wassersportler möglichst wenig zu beeinträchtigen.

Im März luden wir interessierte Bürgerinnen und Bürger dazu ein, mit uns ins Gespräch zu kommen. In den Gemeinden Bodman-Ludwigshafen, Sipplingen und Überlingen informierten wir mit Infoständen über die anstehenden Bohruntersuchungen im Bodensee und an Land. 

Die Baugrunduntersuchungen markieren einen wichtigen Schritt im Projekt Zukunftsquelle und liefern die Daten-Basis für die Detail- und Genehmigungsplanung. Die Bodensee-Wasserversorgung plant zur langfristigen Sicherstellung der Trinkwasserversorgung von 320 Städten und Gemeinden in Baden-Württemberg mit etwa vier Millionen Einwohnern und wegen der zunehmenden Ausbreitung der Quagga-Muschel neue Wasserwerke.

Weitere Informationen und Bildmaterial zum Projekt Zukunftsquelle und zu allen Voruntersuchungen gibt es unter www.zukunftsquelle.de unter „Zukunftsquelle“ > „Voruntersuchungen“.

Sipplingen, 14.01.2022 – Die Planungsarbeiten am Projekt „Zukunftsquelle. Wasser für Generationen“ der Bodensee-Wasserversorgung schreiten weiter voran. Von Januar 2022 an sind vorbereitende Vermessungsarbeiten notwendig.

Die beauftragte Firma Hemminger Ingenieurbüro beginnt mit ersten Vorbereitungen ab der kommenden Woche (KW 03).

Die Vermessungsarbeiten erfolgen durch

  • Befliegung mittels Drohne aus der Luft,
  • fußläufige Vermessung am Boden mit Tachymeter und Reflektorstab bzw. Lotstock mit GPS-Empfänger.

Bei der fußläufigen Vermessung muss im Abstand von 5 x 5 Metern die Höhenlage der Fläche ermittelt werden. Dies erfolgt von den Vermessungsmitarbeitern zu Fuß. Die Eigentümer im Bereich Pfaffental sind bereits von der Bodensee-Wasserversorgung persönlich informiert und um Einverständnis gebeten worden. Es werden keinerlei permanente Installationen und Einrichtungen auf den Grundstücken angebracht, eine aktive Mitarbeit oder vorbereitende Arbeiten der Grundeigentümer sind nicht notwendig.

Auf Wegen und Waldbereichen werden Vermessungsmarken in den Boden eingebracht. Diese Festpunkte sind für die planungsbegleitende Vermessung, eventuelle Nachmessungen und künftige Absteckungsarbeiten notwendig. Anhand der Festpunkte entsteht ein hochgenaues, ausgeglichenes Festpunktnetz, das auch für die weitere Zukunft des Projekts als Grundlage verwendet werden soll. 

Evtl. Vermessungsfahrzeuge nutzen nur vorhandene Zufahrtsmöglichkeiten und befestigte Wege, Schäden an Grundeigentum und der darauf befindlichen Vegetation sind daher nicht zu erwarten. Sollten wider Erwarten doch Schäden entstehen, werden diese ersetzt. Die Arbeiten sind von Januar bis März 2022 geplant, da hierfür Laubfreiheit erforderlich ist. 

Die Befliegung und die Grundlagennetzmessung wird voraussichtlich bis Ende März abgeschlossen sein. Weitere topographische Aufnahmen, eventuelle Nachmessungen, Markierungen von Trassenverläufen sowie Absteckungen für Bohrungen können bis in den Sommer reichen.

Die Bodensee-Wasserversorgung plant zur langfristigen Sicherstellung der Trinkwasserversorgung von 320 Städten und Gemeinden in Baden-Württemberg mit etwa vier Millionen Einwohnern und wegen der zunehmenden Ausbreitung der Quagga-Muschel drei neue Wasserwerke. Hiervon soll eines auch an einem neuen, abgesetzten Standort im Bereich Pfaffental zwischen Sipplingen und Ludwigshafen entstehen. Nähere Informationen dazu gibt es unter https://www.bodensee-wasserversorgung.de/projekt-zukunftsquelle.html

Anlage: Übersichtskarte Vermessungsbereiche Stand 11.01.2022

 

Stuttgart, 13.01.2022 – Tino Greschner kümmert sich bei der Bodensee-Wasserversorgung um die digitale Vernetzung vieler Bereiche. Was schon im Normalbetrieb eine Herausforderung ist, wird durch das Projekt Zukunftsquelle zur Mammutaufgabe.

Schlichtes Mobiliar, an der Wand hängen ein Whiteboard und ein paar Skizzen – das Büro von Tino Greschner lässt nicht vermuten, dass hier viele Fäden zusammenlaufen, oder besser gesagt: viele Daten. Sie sind das Arbeitsmaterial von Greschner. Der Wirtschaftsinformatiker ist unter anderem zuständig für die digitale Vernetzung bei der Bodensee-Wasserversorgung. Sein Ziel: Daten nutzbar zu machen und möglichst für jeden Prozess im Unternehmen eine IT-basierte Lösung zu finden. Und das wird durch das “Projekt Zukunftsquelle”, bei dem zahlreiche Anlagen erweitert und modernisiert werden, nicht nur komplizierter, sondern auch dringender.

“Mit der ‘Zukunftsquelle’ haben wir uns stärker nach außen geöffnet als je zuvor”, erläutert Greschner. “In dem Jahrhundertprojekt arbeiten wir mit dutzenden externen Firmen zusammen, und diese tauschen per Cloud-basierten Kollaborationssystemen auch untereinander Informationen aus, sowie mit Gutachtern und Behörden. Wenn wir die Datenströme nicht gut beherrschen, gehen wir darin unter.” Das Zeitalter der “Inseln”, wo jeder Geschäftsbereich seine eigenen Daten verwaltet, soll bald endgültig vorbei sein. Mit diesen neuen IT-Lösungen sorgen Greschner und seine Teammitglieder dafür, dass tausende Dokumente sicher ihren Weg zum Ziel finden, genau wie das Bodenseewasser seinen Weg zu den einzelnen Haushalten und Familien findet.

Aber neue Technologien sind nur das eine: “Informatik ist ein People-Business", ist Greschner überzeugt – und entspricht so gar nicht dem Klischee des IT-Nerds, der still in seinem Kämmerlein vor sich hin werkelt. Der verheiratete Vater eines Sohnes und einer Tochter sieht sich vielmehr als Bindeglied: IT-Systeme sollen die Arbeit von Menschen unterstützen und effizienter machen.

Ein Beispiel dafür ist das 3D-Modell, an dem Greschner und Kollegen derzeit arbeiten: Bestehende Anlagen sowie Betriebsgelände und Trassen werden per Laserscan und Drohnenbefliegung digitalisiert – daraus entsteht per Modellierung ein “Digitaler Zwilling”. Dieses dreidimensionale Bestandsmodell dient den Planern als Grundlage und kann im Planungsprozess mit den Planungsmodellen zusammengeführt werden. All das ist online möglich und erleichtert die Zusammenarbeit und Abstimmung der Projektbeteiligten. Jedes Modell kann auf dem Bildschirm beliebig gedreht und herangezoomt werden. Jedes einzelne Rohr, jedes Sieb und jede Schraube lassen sich separieren.

„Im Laufe des Projektes müssen Workflows definiert sowie Freigabe- und Ablageprozesse festgelegt werden, das kann schon tief in die Unternehmenslogik eingreifen“, berichtet der 42-Jährige. „Digitalisierung bedeutet aber auch, Prozesse zu hinterfragen. Unternehmen müssen die immer vernetztere Welt unter Berücksichtigung der IT-Sicherheit beherrschbar machen.“ Und so macht sich Tino Greschner daran, die Informations- und Arbeitsabläufe bei der Bodensee-Wasserversorgung fit für die Zukunft zu machen – genauso, wie das Projekt Zukunftsquelle die Wasserversorgung selbst fit machen wird für die nächsten Generationen.

 

Sipplingen, 14.08.2021 – Dr. Roland Schick leitet für die Bodensee-Wasserversorgung den Bereich Qualitätssicherung und Forschung. Gemeinsam mit den Kollegen und Kolleginnen Raphaela Horn (biologisch-technische Assistentin), Michael Faißt (Chemieingenieur) und seinem etwa 25-köpfigen Team erforscht er für das Projekt Zukunftsquelle unter anderem die Eigenschaft und das Verhalten der Quaggamuschel. Diese hat den Bodensee in den vergangenen Jahren besiedelt und vermehrt sich zunehmend – eine Herausforderung der besonderen Art.

Herr Dr. Schick, warum ist die Forschung zur Quaggamuschel wichtig für die Trinkwasserversorgung?

Im Jahr 2016 konnte die Muschel erstmals im Bodensee nachgewiesen werden und hat sich in den darauffolgenden Jahren massiv ausgebreitet. Ich habe in meinen mehr als 35 Jahren bei der Bodensee-Wasserversorgung ja schon viel erlebt, aber die Muschel ist wirklich eine Herausforderung. Sie beschäftigt uns besonders, weil sie und ihre winzig kleinen Larven so robust sind und unsere Anlagen besiedeln. Daher müssen die Kollegen im Betrieb diese durch aufwendige Reinigungen entfernen, was natürlich sehr kosten- und zeitintensiv ist. Ziel unserer Forschung war bzw. ist es, herauszufinden, wie wir die Muschel und ihre Larven direkt nach der Wasserentnahme aus dem Wasser herausbekommen können, sodass sie nicht ins Trinkwasser gelangen.

Was haben Sie in Ihren Versuchen herausgefunden, Herr Faißt?

Um zu planen, welche Entnahmeleitungen wir in Zukunft brauchen, haben wir verschiedene Teststrecken aufgebaut. Wir haben dann untersucht, welchen Einfluss etwa die Fließgeschwindigkeit des Wassers auf die Muschel hat. Je schneller das Wasser fließt, desto schwieriger ist es für die Muschel, sich an unsere Rohre anzuheften. Wir haben auch verschiedene Rohrmaterialien getestet. So wissen wir beispielsweise inzwischen, dass die Muschel gerne auf Edelstahl siedelt, dafür aber weniger Haftung auf Kupfer findet.

Parallel dazu haben wir unterschiedliche Verfahren für die Wasseraufbereitung untersucht wie beispielsweise Ultrafiltrationsanlagen, Filter, Siebe, aber auch UV-Bestrahlung. Ich habe bei der Bodensee-Wasserversorgung schon viele Forschungsprojekte mitgemacht und jedes Mal brauchen wir neue Lösungsansätze und Ideen. Meine Kollegin Raphaela Horn hat unter anderem eine analytische Messmethode entwickelt, mit der wir nachweisen können, ob noch Muschel-Larven im Wasser nachweisbar oder vorhanden sind.

Frau Horn, welche Methoden haben denn funktioniert?

Nach der Wasserreinigung mit üblichen oder getesteten Verfahren, z.B. Mikrosieb oder Spaltsieb und UV-Bestrahlung konnten wir noch winzige Muschellarven nachweisen. Die einzige Methode, die in unseren Experimenten sicher und zuverlässig funktioniert hat, ist die Ultrafiltration. Bei unseren Forschungsarbeiten haben wir übrigens eng mit der Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke Bodensee-Rhein, dem Institut für Seenforschung und dem Technologiezentrum Wasser in Karlsruhe zusammengearbeitet. Diese Kooperationen sind für uns sehr bereichernd. Wir wissen, dass durch den Klimawandel auch künftig zahlreiche weitere Herausforderungen auf uns warten. Da ist es wichtig, ein motiviertes Team und kompetente Partner an unserer Seite zu wissen – es bleibt einfach immer spannend in unserem Job.

Wie funktioniert das Verfahren der Ultrafiltration, Herr Dr. Schick?

Bei der Ultrafiltration wird das aus dem See entnommene Wasser durch eine feine Membran gepresst. Deren Durchmesser ist mit 20 Nanometer wirklich unvorstellbar klein, etwa dreitausend Mal als ein menschliches Haar, das einen Durchmesser von etwa 60 Mikrometern hat. Durch die Ultrafiltration ist es möglich, dass Viren, Bakterien, Algen, aber auch mineralische Feststoffe und natürlich auch Muschellarven wirkungsvoll, sicher und zuverlässig aus dem Wasser entfernt werden. Dennoch bleiben bei der Filtration alle lebensnotwendigen Mineralien im Wasser enthalten. Ebenso werden die Beschaffenheit und die Qualität des Bodenseewassers nicht beeinträchtigt. Das Trinkwasser behält somit qualitativ seinen hohen Standard, den wir seit 60 Jahren den Maßnahmen zum Gewässerschutz und den Anstrengungen der Internationalen Gewässerschutzkommission (IGKB) verdanken. Im Rahmen des Projekts Zukunftsquelle wollen wir die Ultrafiltration künftig direkt nach den Entnahmestellen zur Wasserreinigung einsetzen. Wir müssen aber auch dieses Verfahren noch genau an unsere Bedürfnisse und Voraussetzungen anpassen. Es gibt also noch viel zu planen und zu tun – ohne die großartige Teamleistung meiner Kolleginnen und Kollegen wäre dies nicht möglich.

Sipplingen, 08.10.2021 - Das Projekt „Zukunftsquelle. Wasser für Generationen“ hat einen wichtigen Meilenstein erreicht. Die Verantwortlichen der Bodensee-Wasserversorgung und die beteiligten Planungsbüros haben in den vergangenen Monaten verschiedene Möglichkeiten für den Standort des neuen Seewasserwerks im Pfaffental sowie den Verlauf der Druckleitungstrasse zum Sipplinger Berg geprüft. Aus allen Varianten haben die Experten nun die bestmögliche ausgewählt und damit die Grundlage für die weitere Planung des Projekts „Zukunftsquelle“ geschaffen.

Da die Umsetzung des Projekts auch Auswirkungen auf Mensch und Umwelt am Bodensee hat, möchte die Bodensee-Wasserversorgung die Öffentlichkeit weiterhin stets transparent informieren. Deshalb sind alle Interessierten zu einem zweiten Informationsmarkt eingeladen, der vom 21. bis zum 23. Oktober auf dem Gelände des Seepumpwerks Süßenmühle der Bodensee-Wasserversorgung in Sipplingen stattfinden wird. An mehreren Informationsständen werden die Projektbeteiligten den Bürgerinnen und Bürgern wie schon 2020 Rede und Antwort stehen. Die Bodensee-Wasserversorgung freut sich auf Ihr Kommen!

Vom 21.bis 23.10.2021 haben wir im Seepumpwerk Süßenmühle allen Interessierten – vor allem Bürgerinnen und Bürgern aus Sipplingen – ein Update zum Projekt „Zukunftsquelle“ präsentiert.

Dabei haben wir über die Fortschritte seit dem Informationsmarkt im Juli 2020 informiert, insbesondere zur Festlegung der Vorzugsvariante der Druckleitungstrasse durch die Bodensee-Wasserversorgung und den Eintritt in die Entwurfsplanung.

In einem Zelt neben dem Seepumpwerk Süßenmühle stand an insgesamt sechs Ständen ein Team aus BWV-Mitarbeitern für Fragen bereit. Plakate mit Infos, Kartenmaterial, erklärenden Grafiken, sowie Exponate zu Quaggamuschel und Ultrafiltration lieferten viel Gesprächsstoff. Die rund 100 Besucherinnen und Besucher konnten sich ausführlich mit unseren Mitarbeitern austauschen.

Im Rahmen des Infomarktes fand zudem ein Treffen mit den Segler- und Motoryacht-Verbänden statt, eine Führung für Naturschutz- und Jagdverbändevertreter, sowie ein Pressegespräch mit Besichtigung des Infomarktes.

Wie schon im Vorjahr fand der Markt Donnerstag- und Freitagabend sowie Samstagvormittag statt. Ein Hygiene-Konzept inklusive namentlicher Registrierung der Besucher über Formular oder Luca-App, Maskenpflicht und Sicherheitskonzept für das Gelände machten den Infomarkt trotz der besonderen Umstände möglich.

 

Sipplingen, 16.07.2021 – Mit dem Projekt „Zukunftsquelle. Wasser für Generationen“ wird die Trinkwasserversorgung für die nächsten Jahrzehnte gesichert. Dazu hat die Bodensee-Wasserversorgung Anfang Juli zwei Messbojen an den neu geplanten Entnahmestandorten im Überlinger See installiert. Mit den gewonnenen Daten werden die lokalen Verhältnisse im Bodensee zunächst über ein Jahr untersucht.

Der Bodensee liefert seit Jahrzehnten Trinkwasser in bester Qualität. Um auch zukünftige Generationen mit diesem versorgen zu können, müssen an den Wasserentnahmestellen die Strömungs- und Temperaturverhältnisse sowie die meteorologischen Gegebenheiten stimmen. Mithilfe zweier Messbojen werden diese Bedingungen nun am bestehenden Standort Süßenmühle und am geplanten Standort Pfaffental erfasst.

„Es ist uns extrem wichtig, langfristig für beste Trinkwasserqualität zu sorgen“, erklärt Alexander Frey von der Bodensee-Wasserversorgung. „Deshalb haben wir und die Landesanstalt für Umwelt (LUBW) ein gemeinsames wissenschaftliches Interesse an den Verhältnissen im Bodensee. Gemeinsam mit der LUBW und der Ingenieurgesellschaft Prof. Kobus und Partner haben wir daher die Messbojen im Überlinger See ausgebracht. So können wir Messwerte zur Wetter- und Wasserbeschaffenheit sammeln und die bestmöglichen Wasserentnahmestellen für das Projekt ‚Zukunftsquelle‘ lokalisieren.“

Mithilfe der durch die Messbojen gewonnenen Informationen kann das Modellsystem BodenseeOnline (www.bodenseeonline.de) der LUBW verbessert werden. Das ist kurz- wie auch langfristig von Bedeutung. Denn anhand der durch das System erzeugten Simulationswerte kann festgestellt werden, wie saisonale Seegegebenheiten die Wasserqualität beeinflussen und welcher Standort die besten Bedingungen für die Wasserentnahme bietet.

Die Messungen sind nur einer der vielen Bausteine bei den Vorbereitungen für die „Zukunftsquelle“. Viele Untersuchungen – zu Land und zu Wasser – sind notwendig, um ein möglichst optimales Ergebnis für die Trinkwasserversorgung mit möglichst geringem Eingriff in den sensiblen Kultur- und Naturraum zu erzielen.

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Teresa Brehme
Unternehmenskommunikation
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