MENSCHEN UND STORIES: NEUIGKEITEN VON DER ZUKUNFTSQUELLE

Sipplingen, 14.08.2021 – Dr. Roland Schick leitet für die Bodensee-Wasserversorgung den Bereich Qualitätssicherung und Forschung. Gemeinsam mit den Kollegen und Kolleginnen Raphaela Horn (biologisch-technische Assistentin), Michael Faißt (Chemieingenieur) und seinem etwa 25-köpfigen Team erforscht er für das Projekt Zukunftsquelle unter anderem die Eigenschaft und das Verhalten der Quagga-Muschel. Diese hat den Bodensee in den vergangenen Jahren besiedelt und vermehrt sich zunehmend – eine Herausforderung der besonderen Art.

Herr Dr. Schick, warum ist die Forschung zur Quagga-Muschel wichtig für die Trinkwasserversorgung?

Im Jahr 2016 konnte die Muschel erstmals im Bodensee nachgewiesen werden und hat sich in den darauffolgenden Jahren massiv ausgebreitet. Ich habe in meinen mehr als 35 Jahren bei der Bodensee-Wasserversorgung ja schon viel erlebt, aber die Muschel ist wirklich eine Herausforderung. Sie beschäftigt uns besonders, weil sie und ihre winzig kleinen Larven so robust sind und unsere Anlagen besiedeln. Daher müssen die Kollegen im Betrieb diese durch aufwendige Reinigungen entfernen, was natürlich sehr kosten- und zeitintensiv ist. Ziel unserer Forschung war bzw. ist es, herauszufinden, wie wir die Muschel und ihre Larven direkt nach der Wasserentnahme aus dem Wasser herausbekommen können, sodass sie nicht ins Trinkwasser gelangen.

Was haben Sie in Ihren Versuchen herausgefunden, Herr Faißt?

Um zu planen, welche Entnahmeleitungen wir in Zukunft brauchen, haben wir verschiedene Teststrecken aufgebaut. Wir haben dann untersucht, welchen Einfluss etwa die Fließgeschwindigkeit des Wassers auf die Muschel hat. Je schneller das Wasser fließt, desto schwieriger ist es für die Muschel, sich an unsere Rohre anzuheften. Wir haben auch verschiedene Rohrmaterialien getestet. So wissen wir beispielsweise inzwischen, dass die Muschel gerne auf Edelstahl siedelt, dafür aber weniger Haftung auf Kupfer findet.

Parallel dazu haben wir unterschiedliche Verfahren für die Wasseraufbereitung untersucht wie beispielsweise Ultrafiltrationsanlagen, Filter, Siebe, aber auch UV-Bestrahlung. Ich habe bei der Bodensee-Wasserversorgung schon viele Forschungsprojekte mitgemacht und jedes Mal brauchen wir neue Lösungsansätze und Ideen. Meine Kollegin Raphaela Horn hat unter anderem eine analytische Messmethode entwickelt, mit der wir nachweisen können, ob noch Muschel-Larven im Wasser nachweisbar oder vorhanden sind.

Frau Horn, welche Methoden haben denn funktioniert?

Nach der Wasserreinigung mit üblichen oder getesteten Verfahren, z.B. Mikrosieb oder Spaltsieb und UV-Bestrahlung konnten wir noch winzige Muschellarven nachweisen. Die einzige Methode, die in unseren Experimenten sicher und zuverlässig funktioniert hat, ist die Ultrafiltration. Bei unseren Forschungsarbeiten haben wir übrigens eng mit der Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke Bodensee-Rhein, dem Institut für Seenforschung und dem Technologiezentrum Wasser in Karlsruhe zusammengearbeitet. Diese Kooperationen sind für uns sehr bereichernd. Wir wissen, dass durch den Klimawandel auch künftig zahlreiche weitere Herausforderungen auf uns warten. Da ist es wichtig, ein motiviertes Team und kompetente Partner an unserer Seite zu wissen – es bleibt einfach immer spannend in unserem Job.

Wie funktioniert das Verfahren der Ultrafiltration, Herr Dr. Schick?

Bei der Ultrafiltration wird das aus dem See entnommene Wasser durch eine feine Membran gepresst. Deren Durchmesser ist mit 20 Nanometer wirklich unvorstellbar klein, etwa dreitausend Mal als ein menschliches Haar, das einen Durchmesser von etwa 60 Mikrometern hat. Durch die Ultrafiltration ist es möglich, dass Viren, Bakterien, Algen, aber auch mineralische Feststoffe und natürlich auch Muschellarven wirkungsvoll, sicher und zuverlässig aus dem Wasser entfernt werden. Dennoch bleiben bei der Filtration alle lebensnotwendigen Mineralien im Wasser enthalten. Ebenso werden die Beschaffenheit und die Qualität des Bodenseewassers nicht beeinträchtigt. Das Trinkwasser behält somit qualitativ seinen hohen Standard, den wir seit 60 Jahren den Maßnahmen zum Gewässerschutz und den Anstrengungen der Internationalen Gewässerschutzkommission (IGKB) verdanken. Im Rahmen des Projekts Zukunftsquelle wollen wir die Ultrafiltration künftig direkt nach den Entnahmestellen zur Wasserreinigung einsetzen. Wir müssen aber auch dieses Verfahren noch genau an unsere Bedürfnisse und Voraussetzungen anpassen. Es gibt also noch viel zu planen und zu tun – ohne die großartige Teamleistung meiner Kolleginnen und Kollegen wäre dies nicht möglich.

Sipplingen, 16.07.2021 – Mit dem Projekt „Zukunftsquelle. Wasser für Generationen“ wird die Trinkwasserversorgung für die nächsten Jahrzehnte gesichert. Dazu hat die Bodensee-Wasserversorgung Anfang Juli zwei Messbojen an den neu geplanten Entnahmestandorten im Überlinger See installiert. Mit den gewonnenen Daten werden die lokalen Verhältnisse im Bodensee zunächst über ein Jahr untersucht.

Der Bodensee liefert seit Jahrzehnten Trinkwasser in bester Qualität. Um auch zukünftige Generationen mit diesem versorgen zu können, müssen an den Wasserentnahmestellen die Strömungs- und Temperaturverhältnisse sowie die meteorologischen Gegebenheiten stimmen. Mithilfe zweier Messbojen werden diese Bedingungen nun am bestehenden Standort Süßenmühle und am geplanten Standort Pfaffental erfasst.

„Es ist uns extrem wichtig, langfristig für beste Trinkwasserqualität zu sorgen“, erklärt Alexander Frey von der Bodensee-Wasserversorgung. „Deshalb haben wir und die Landesanstalt für Umwelt (LUBW) ein gemeinsames wissenschaftliches Interesse an den Verhältnissen im Bodensee. Gemeinsam mit der LUBW und der Ingenieurgesellschaft Prof. Kobus und Partner haben wir daher die Messbojen im Überlinger See ausgebracht. So können wir Messwerte zur Wetter- und Wasserbeschaffenheit sammeln und die bestmöglichen Wasserentnahmestellen für das Projekt ‚Zukunftsquelle‘ lokalisieren.“

Mithilfe der durch die Messbojen gewonnenen Informationen kann das Modellsystem BodenseeOnline (www.bodenseeonline.de) der LUBW verbessert werden. Das ist kurz- wie auch langfristig von Bedeutung. Denn anhand der durch das System erzeugten Simulationswerte kann festgestellt werden, wie saisonale Seegegebenheiten die Wasserqualität beeinflussen und welcher Standort die besten Bedingungen für die Wasserentnahme bietet.

Die Messungen sind nur einer der vielen Bausteine bei den Vorbereitungen für die „Zukunftsquelle“. Viele Untersuchungen – zu Land und zu Wasser – sind notwendig, um ein möglichst optimales Ergebnis für die Trinkwasserversorgung mit möglichst geringem Eingriff in den sensiblen Kultur- und Naturraum zu erzielen.

Immer in Echtzeit informiert sein: Folgen Sie uns auf Instagram und Facebook.

Sie haben die Antwort auf Ihre Frage nicht gefunden? Schicken Sie uns eine E-Mail oder rufen Sie uns an, wir helfen gerne weiter.

Teresa Brehme
Unternehmenskommunikation
uk@bodensee-wasserversorgung.de
Tel. +49 711 973-2310