Zukunftsquelle. Wasser für Generationen - Die Planung der Bodensee-Wasserversorgung für neue Anlagen schreitet voran

Seit der Bekanntgabe des Projekts „Zukunftsquelle. Wasser für Generationen“ im November 2019 haben sich die Planungen der Bodensee-Wasserversorgung konkretisiert: Die ersten Planungsleistungen wurden europaweit ausgeschrieben, viele Abstimmungen mit Behörden und Anliegern sind erfolgt und die erforderlichen Voruntersuchungen sind auf den Weg gebracht. Ziel bleibt weiterhin, die Trinkwasserversorgung von rund vier Millionen Menschen in Baden-Württemberg für die nächsten Jahrzehnte zu sichern.

„Wir haben das Projekt Zukunftsquelle ins Leben gerufen, um die Menschen in Baden-Württemberg auch zukünftig mit bestem Trinkwasser zu versorgen“, erläutert der Verbandsvorsitzende der Bodensee-Wasserversorgung Dr. Jürgen Zieger, Oberbürgermeister der Stadt Esslingen. „Seit über 60 Jahren liefern wir zuverlässig Wasser – dank der Zukunftsquelle werden wir das auch für die nächsten Jahrzehnte sicherstellen.“

Dabei adressiert die Bodensee-Wasserversorgung drei wesentliche Herausforderungen:

  • Seit 2016 breitet sich die Quagga-Muschel massiv im Bodensee aus. Für die Trinkwasserqualität ist die Muschel zwar kein Problem, allerdings setzt sie sich an Leitungen und Filteranlagen fest, die deshalb aufwändig gereinigt werden müssen. Eine Aufbereitung mit der hochmodernen Ultrafiltrationstechnologie soll künftig auch kleinste Rückstände und somit auch die Larven der Quagga-Muschel sicher aus dem Wasser entfernen. Da die bestehenden Entnahmeleitungen nicht gereinigt werden können, sollen auch diese ersetzt werden.
  • Einige der Anlagen nähern sich nach über 60 Betriebsjahren trotz sorgfältiger Wartung ihrer Altersgrenze und müssen in den nächsten Jahren ersetzt oder erneuert werden. Dazu gehören beispielsweise Wasserspeicher und elektrischen Anlagen. Die geplanten Maßnahmen werden die Versorgungssicherheit für 320 Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg auch zukünftig sicherstellen.
  • Eine wichtige Maßnahme im Rahmen des Projekts ist der Bau neuer Entnahme- und Aufbereitungsanlagen am Bodensee. Hier soll das Wasser künftig in drei See-Wasserwerken mit voneinander unabhängigen Entnahmeleitungen gewonnen werden. Zwei Wasserwerke sollen am bestehenden Standort in Sipplingen Süßenmühle gebaut werden, eine dritte Anlage soll aus Sicherheitsgründen an einem neuen Standort zwischen Ludwigshafen und Sipplingen errichtet werden. Von diesem Standort ist eine neue Druckleitung zum Wasserwerk auf dem Sipplinger Berg erforderlich.

„Wir investieren eine hohe Summe in dieses Projekt, weil wir vom Nutzen dieser Investition überzeugt sind“, sagt Michael Stäbler, kaufmännischer Geschäftsführer. „Die Zukunftsquelle wird uns und damit die Verbandsmitglieder einen dreistelligen Millionenbetrag kosten. Diese Investition ist unabdingbar, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen, die sich durch Veränderungen in der Wasserqualität, der verfügbaren Menge und der steigenden Nachfrage äußern. Auch bei Störungen oder Ausfällen müssen wir die Trinkwasserversorgung für vier Millionen Bürger in Baden-Württemberg gewährleisten.“

Doppelter Standort – doppelte Sicherheit

Dieser zusätzliche Sicherheitsgewinn bedingt eine Aufteilung der Wasserentnahme auf zwei Standorte. Die neu geplante Anlage im Gewann Pfaffental ist räumlich vom bestehenden Standort Süßenmühle getrennt. Das Pfaffental ist eine der wenigen Stellen am nördlichen Überlinger See, an denen der Uferstreifen breit genug für ein See-Wasserwerk ist und an welchem auch sämtliche weiteren Bedingungen für eine Wasserentnahme vorliegen. Der neue Standort benötigt eine neue Druckleitung, mit der das Wasser zum Wasserwerk auf den Sipplinger Berg transportiert wird, sowie eine Anbindung ans Stromnetz. Der bestehende Standort Süßenmühle wird zudem erheblich modernisiert und wie auch der neue Standort mit Ultrafiltrationstechnologie ausgestattet.

„Ein Projekt dieser Größenordnung ist alles andere als alltäglich“, erläutert Christoph Jeromin, technischer Geschäftsführer der Bodensee-Wasserversorgung. „Darum werden wir uns die nächsten Jahre mit der weiteren Planung und Genehmigung intensiv befassen, um das Projekt voranzutreiben.“ Verschiedene Verfahren sind angestoßen oder in Vorbereitung, der Austausch mit den zuständigen Behörden hat begonnen. Im Herbst dieses Jahres beginnt beispielsweise die Umweltverträglichkeitsprüfung. „Gerade wegen der hohen Komplexität sind eine sorgfältige Abwägung und Prüfung notwendig und sinnvoll. Eine ergebnisoffene Prüfung bedeutet aber auch, dass sich heutige Annahmen zu Verfahren und Zuständigkeiten noch ändern können“, so Jeromin weiter.

Der Vorsitzende des Zweckverbands, Oberbürgermeister Dr. Zieger: „Wir sind uns bewusst, dass wir in einem sensiblen und geschützten Gebiet planen. Entsprechend gelten strenge Vorschriften und es erfolgt eine intensive Abstimmung mit Behörden und Naturschutzverbänden. Gleichzeitig handelt es sich bei der Sicherung der Trinkwasserversorgung um eine wichtige Aufgabe im öffentlichen Interesse, die wir auch für die kommenden Generationen gewährleisten müssen.“

Den aktuellen Planungsstand präsentiert die Bodensee-Wasserversorgung vom 16. bis zum 18. Juli in einem Infomarkt auf ihrem Gelände in Sipplingen. Dort stehen die Experten den Besuchern Rede und Antwort und nehmen Anregungen zur Planung entgegen. „Wir möchten mit den Bürgern und allen Interessengruppen ins Gespräch kommen und transparent und nachvollziehbar informieren“, so Christoph Jeromin.

Ansprechpartnerin
Maria Quignon, Pressesprecherin
Telefon 07551 / 833 11 56
Mobil 0160 / 97 23 60 17

Weitere Informationen über die Bodensee-Wasserversorgung

Am 25. Oktober 1954 gründeten 13 Städte und Gemeinden den Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung, um den ständig steigenden Trinkwasserbedarf mit Zusatzwasser aus dem Bodensee zu decken. Heute versorgt die Bodensee-Wasserversorgung über ihre 183 Mitglieder insgesamt 320 Städte und Gemeinden mit etwa vier Millionen Einwohnern jederzeit und in ausreichender Menge mit bestem Trinkwasser aus dem Bodensee.

Das Wasser wird aus dem Überlinger See in etwa 60 Meter Tiefe dem Bodensee entnommen und mit sechs großen Pumpen bis in die circa 310 Meter höher gelegene Aufbereitungsanlage auf dem Sipplinger Berg gefördert. Dort wird das ohnehin schon gute Bodenseewasser mit Mikrosieb-, Ozon- und Filteranlagen zu einem Trinkwasser sehr hoher Qualität aufbereitet.

Die Kapazität der Förder- und Aufbereitungsanlagen beläuft sich auf etwa 9.000 Liter in der Sekunde; an einem Tag dürfen maximal 670.000 Kubikmeter Wasser dem Bodensee entnommen werden. Rund 1.700 Kilometer meist großkalibriger Rohrleitungen leiten das Trinkwasser bis in den äußersten Norden des Landes. Heute gibt die Bodensee-Wasserversorgung an ihre Verbandsmitglieder über 130 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr ab. Mit dieser Aufgabenstellung ist sie der größte Wasserversorgungszweckverband in Deutschland.

Der Verbandsvorsitzende OB Dr. Zieger, Esslingen (links) und Christoph Jeromin, techn. Geschäftsführer besichtigen die Ausstellung zur Zukunftsquelle.