Bodensee-Wasserversorgung rüstet sich für die Zukunft

13.11.2018 – Die Bodensee-Wasserversorgung fordert einen „Masterplan Wasserversorgung Baden-Württemberg 2050“. Vor dem Hintergrund des Klimawandels müsse die Aufgabenteilung zwischen den Wasserversorgern neu geplant werden, so der Verbandsvorsitzende Oberbürgermeister Roland Klenk anlässlich der Verbandsversammlung in Sindelfingen.

Der Klimawandel führe nicht allein zu einem höheren Gesamtwasserbedarf, sondern vor allem zu höheren Spitzenabgaben. Nur das koordinierte Zusammenwirken von Fernwasserversorgern, Wasserversorgungsverbänden und Kommunen könne auch künftig eine sichere Trinkwasserversorgung der Baden Württemberger garantieren. „Wir erwarten uns bei diesem elementaren Thema Unterstützung von der Landesregierung. Die Aufgabenteilung zwischen den einzelnen Wasserversorgern muss auf der politischen Seite zum Wohl der Bürger koordiniert und geplant werden“, so Klenk. 

60 Jahre unterbrechungsfreie Lieferung von Trinkwasser

Vor 60 Jahren, am 16. Oktober 1958, wurde die Bodensee-Wasserversorgung vom damaligen Verbandsvorsitzenden, dem Stuttgarter Oberbürgermeister Arnulf Klett, in Betrieb genommen. Seither liefert die Bodensee-Wasserversorgung ohne Unterbrechung Trinkwasser, immer in ausreichender Menge und bester Qualität zu den mittlerweile 183 Verbandsmitgliedern und somit vier Millionen Bürgern in Baden-Württemberg. In diesem Zeitraum wurden über 6,6 Milliarden Kubikmeter Wasser dem Bodensee entnommen, aufbereitet und an die Verbandsmitglieder verteilt.

Wasserpreis für 2019 moderat erhöht

Dank einer überdurchschnittlich hohen Wasserabgabe von 133,3 Mio. Kubikmeter Trinkwasser im Jahr 2017 fiel rückwirkend die mittlere Umlage, also der durchschnittliche Wasserpreis mit 54,9 Cent/Kubikmeter um 4,6 % günstiger aus als geplant. Die überschüssigen Mittel werden je zur Hälfte den Rücklagen zugeführt und an die Verbandsmitglieder erstattet. Für das Jahr 2019 kommt es unter anderem durch den Anstieg des Wasserentnahmeentgelts von 8,1 Cent auf 10,0 Cent pro Kubikmeter zu einer mittleren Umlage von 61,9 Cent pro Kubikmeter Trinkwasser. Weitere Gründe für die steigende Umlage sind höhere Energie- und Personalkosten. Michael Stäbler, kaufmännischer Geschäftsführer: „Die Bodensee-Wasserversorgung ist ein öffentliches Unternehmen, das kostenbewusst wirtschaftet und sorgfältig plant. Trinkwasser ist unser wichtigstes Lebensmittel, es muss sicher, zuverlässig und bezahlbar sein.“

Planungen für eine zukunftssichere Wasserversorgung

Die Bodensee-Wasserversorgung verzeichnet in den letzten Jahren eine steigende Nachfrage nach Trinkwasser. Zahlreiche Anfragen von Verbandsmitglieder nach zusätzlichem Wasser, d.h. einer Erhöhung der Beteiligungsquote sind eingegangen. „Wir konnten im Jahr 2018 den Klimawandel hautnah miterleben. Hohe Temperaturen und eine andauernde Trockenperiode führten zu sinkenden Grundwasserständen. Daraus folgt bei unseren Verbandsmitgliedern eine steigende Nachfrage an Trinkwasser aus dem Bodensee. Um diese Nachfrage weiterhin sicher und zuverlässig bedienen zu können, planen wir für das Jahr 2019 Investitionen in Höhe von 27,5 Millionen Euro.“, so Christoph Jeromin, technischer Geschäftsführer der Bodensee-Wasserversorgung. Viele der technischen Anlagen seien bereits seit 60 Jahren in Betrieb. Allein 15 Millionen Euro seien für Ausbau, Erneuerung und Sanierung im 1.700 km langen Leitungsnetz vorgesehen.

Die Planungen für eine zukunftsfähige Wasserversorgung der Verbandsmitglieder unter sich ändernden Rahmenbedingungen hat der Zweckverband heute in Form der Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie über die zukünftigen Anforderungen an die Förderung und Aufbereitung des Wassers aus dem Bodensee und das Leitungsnetz vorgestellt. Im Jahr 2019 sollen diese Planungen vertieft und genehmigungsrechtliche Fragen bearbeitet werden, bevor das weitere Vorgehen festgelegt wird.

Klimawandel am Bodensee

Der Bodensee ist auch bei niedrigem Wasserstand ein zuverlässiger Lieferant für Trinkwasser, jedoch sind zunehmend Auswirkungen des Klimawandels auf die Qualität des Gewässers festzustellen. So besiedelt die Quagga Muschel, die ursprünglich aus dem Kaspischen Meer stammt, seit 2016 den Bodensee. Im Frühjahr 2018 konnte ein massives Wachstum der Population beobachtet werden. Die Quagga Muschel siedelt bis in große Tiefen und dringt mit dem Wasser auch in Wasserversorgungsanlagen ein. Die Bodensee-Wasserversorgung hat Maßnahmen ergriffen um ein Ausbreiten der Muschel in ihren Anlagen zu verhindern. Die Muschel stellt keine Beeinträchtigung der Trinkwasserqualität dar und wird bei der Aufbereitung des Wassers sicher und rückstandsfrei entfernt.

Bildunterschrift: Oberbürgermeister Roland Klenk, Verbandsvorsitzender