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Arzneimittel und Hormone

Arzneistoffe
Arzneistoffe sind wichtig für die Behandlung von Krankheiten aller Art. Rund 3.000 verschiedener Wirkstoffe in über 9.000 verschiedenen Präparaten sind in Deutschland für den human- und tiermedizinischen Bereich zugelassen. Die jährlichen Verordnungsmengen können bei einigen Präparaten über 100 Tonnen betragen. Bei einem bestimmungsgemäßen Gebrauch, aber auch durch die unsachgemäße Entsorgung nicht eingenommener Präparate über die Toilette gelangen Arzneiwirkstoffe in das Abwasser und somit in die Kläranlagen. Einige dieser Arzneiwirkstoffe werden in den Kläranlagen nur unvollständig abgebaut oder entfernt, sodass sie in Flüsse und Seen gelangen können. Aufgrund der ständigen Verbesserung analytischer Verfahren ist es heute möglich, zahlreiche Arzneiwirkstoffe und deren Abbauprodukte (Metabolite) auch in sehr niedrigen Konzentrationen im Wasser nachzuweisen.

Arzneistoffe im Bodensee und seinen Zuflüssen
Der Gehalt der in den Bodenseezuflüssen nachgewiesenen Arzneiwirkstoffe ist ein Spiegelbild der Besiedlungsdichte des jeweiligen Einzugsgebiets und des Abwasseranteils im Zufluss. Zuflüsse mit hoher Besiedlungsdichte und mit hohem Abwasseranteil (z. B. Schussen) haben folglich höhere Arzneimittelkonzentrationen als Zuflüsse aus Gebieten mir niedriger Besiedlungsdichte und geringem Abwasseranteil (z.B. Argen, Alpenrhein). Die Konzentration der im Bodensee gefundenen Arzneiwirkstoffe hängt vor allem von der Entfernung zur Flussmündung, aber auch von den vorliegenden Strömungs-, Schichtungs- und Mischungsverhältnissen ab. So sind die meisten der in den Zuflüssen gefundenen Arzneimittelwirkstoffen in Seemitte gar nicht mehr nachweisbar. Das von der Bodensee-Wasserversorgung im Überlinger Seeteil aus einer Tiefe von 60 m entnommene Rohwasser enthält nur sehr geringe Mengen an Arzneimittelwirkstoffen.

Arzneistoffe im Trinkwasser aus dem Bodensee
Die Bodensee-Wasserversorgung untersucht seit Jahrzehnten das Seewasser und das aufbereitete Trinkwasser regelmäßig auf Arzneiwirkstoffe. Die analytische Bestimmung erfolgt im eigenen Labor, das eng mit anderen wissenschaftlichen Institutionen (z.B. Technologiezentrum Wasser (TZW) in Karlsruhe, Labor der Landeswasserversorgung, Langenau) zusammenarbeitet. Alle Institutionen sind nach DIN EN ISO/IEC 17025 (2005) akkreditiert.

Im aufbereiteten Trinkwasser der Bodensee-Wasserversorgung sind neben den iodhaltigen Röntgenkontrastmittel Amidotrizoesäure, Iomeprol und Iopamidol in Konzentrationen von 0,000010 mg/L bis 0,000014 mg/L nur noch das Antidiabetikum Metformin in einer Konzentration von 0,000067 mg/L nachweisbar. Andere Arzneiwirkstoffe oder hormonell wirksame Substanzen konnten bisher nicht im aufbereiteten Trinkwasser der Bodensee-Wasserversorgung nachgewiesen werden.

Nach den bisherigen Erkenntnissen liegen keine Hinweise vor, die auf eine Gefährdung der menschlichen Gesundheit durch die Anwesenheit von Arzneiwirkstoffen im Trinkwasser hindeuten. 

 

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